Mittwoch, 18. Januar 2012

Wer suchet, der findet!

Nach dem Motto habe ich heute meinen Tag gestaltet. Vor geraumer Zeit habe ich mir gedacht, dass ich Sport studieren möchte. 
Mein erster Gedanke war, dass ich dafür den Eignungstest bestehen muss.
Mein zweiter Gedanke, dass ich eine unglaubliche Graupe im Schwimmen bin.
Der dritte: „Komm Junge. Hast ja 3 Monate Zeit. London ist so groß – da wird es schon ein paar Schwimmbäder in der Nähe geben. Springste ab und an mal ins Becken, dann läuft das schon.“
Damit begann meine Suche nach einem geeigneten Schwimmbad. Ich wurde auch direkt fündig. 10 Minuten zu Fuß von hier. Schwimmbad mit 33-Meter-Bahn für sehr wenig Geld. Nun machte ich mich also auf den Weg zu dem verheißungsvollen Ort. Wäre ich dort fündig geworden, wäre das wohl kaum einen Eintrag wert. Daher könnt ihr euch sicher denken, dass irgendetwas schief gelaufen sein musste. Tatsächlich wurde das Schwimmbad einen Tag vor meinem Besuch geschlossen, um bis Ende Februar renoviert zu werden.
Womit ich wieder bei meinem dritten Gedanken war. Diesmal googlete ich also ein paar Schwimmbäder in der näheren Umgebung und wurde dahingehend enttäuscht, dass es nur Fitnesscenter mit einem Schwimmbecken gab. Naja. Würde wahrscheinlich teurer sein, aber ich könnte direkt ein paar andere Geräte ausprobieren und auf dem Laufband mal die verlangten 3000 Meter in der vorgegebenen Zeit laufen. Und wenn das zu teuer sein würde, könnte man bestimmt bei einem der zahlreichen Center auch nur das Schwimmbad nutzen können. Also begann ich die ganzen Fitnesscenter, die auch ein Schwimmbecken haben, abzuklappern. Bei „wahrscheinlich teurer“ konnte ich das „wahrscheinlich“ streichen und durch ein „viel“ ersetzen. Die Preisspanne lag zwischen 75 Pfund Anmeldegebühr + 60 Pfund monatlich bis 75 Pfund monatlich. Ohne Mitglied zu sein ging eh schonmal gar nichts.
Dahingehend entmutigt startete ich heute meinen letzten Versuch hier in der Umgebung, bevor ich mich dazu entscheiden würde mit der U-Bahn weiter weg zu fahren, um dort schwimmen zu gehen.
Auch heute probierte ich es wieder bei einem Fitnesscenter, das mit 20 Pfund monatlichem Beitrag warb, was ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen konnte. War dann auch nicht so. Immerhin waren es schonmal nur noch 55 Pfund im Monat. Die aber auch nur, wenn ich zu unglaublich günstigen Zeiten wie 7 Uhr morgens bis 10 Uhr käme. Dafür aber jeden Tag. Toll! Naja das war schonmal ein Entgegenkommen. Mein netter Berater versicherte mir auch, dass sie die günstigste Institution in London wären. Wenn es noch günstiger sein solle, müsse ich schon weit raus fahren. Entmutigt und perspektivenlos machte ich mich auf den Rückweg und hoffte durch Zufall auf einem der vielen Stadtplanausschnitten, die an jeder Bushaltestelle standen und die nahe Umgebung detailgetreu wiedergaben, vielleicht doch noch etwas zu finden. Und tatsächlich. Ein Sportcenter, das auf dem Weg lag, welches Google aber vollkommen unbekannt sein musste. Dies gehört zu einer Kette. Sie selbst haben kein Schwimmbad, aber die Frau gab mir einen Prospekt, in dem die anderen Center drin standen, die zur Kette gehören.
Auf dem Plan sah es so aus, dass das nächste Fitnesscenter mit Schwimmbad gut 10 Minuten zu Fuß entfernt waren. Wäre die Karte richtig gewesen. Nach einer halben Stunde Rumlaufens fragte ich einen sehr freundlichen Kfz-Mechaniker nach dem weg. Seinem hingegrummelten Nuscheln entnahm ich einfach mal, dass  ich mich auf dem richtigen Weg befinden müsse. Nach weiteren 10 Minuten stand ich dann auch wirklich vor meinem Sportcenter. Wo man einfach so (ohne Mitglied zu sein) schwimmen gehen konnte. Für nur 3.60 Pfund (wenn es off-peak ist kostet es sogar weniger). Selbst die Mitgliedschaft kostet pro Monat weniger als die Hälfte als bei den anderen Fitnesscentern.
Endlich am Ziel meiner „Träume“ (2 ½ Stunden nachdem ich von zu Hause losgelaufen bin) machte ich mich zielstrebig auf den Weg in die Umkleide, die sich als falsch herausstellte. Merkte ich aber erst, als ich bis auf die Badehose nackt, durch das ganze Haus gelaufen bin, um unten eine weitere für Schwimmer reservierte (nicht ausgeschilderte) Umkleide zu finden.
Vom Schwimmbad war ich dann allerdings schon positiv überrascht. 5 oder 6 Bahnen Platz. Für die Kleinen gab es einen extra abgesperrten Bereich. So schmiss ich mich mit einem asiatischen Pärchen, zwei älteren, korpulenteren Herren und einem schwarzen, türsteherformatigen Typen ins Wasser.
Die beiden älteren, dicken Männer schienen etwas falsch verstanden zu haben, da sie die ganze halbe Stunde die sie im Wasser waren, damit verbrachten die 5 Meter breite und 33 Meter lange Bahn QUER zu durchlaufen. Das lief dann meistens so ab. Einer von uns „Schwimmern“ wollte losschwimmen. In dem Moment schmiss sich einer der beiden quer ins Wasser, trieb 3 Meter, tauchte prustend auf und lief die letzten 2 Meter. Bevor ihm der andere das gleichtat, gab es uns die Gelegenheit zwischen den Beiden durchzuschwimmen. Die beiden Asiaten waren so auf meinem Level. Wir trafen uns also nach guten 2 Minuten am anderen Ende der Bahn wieder. Der schwarze Türsteher war eher von der langsamen (ja noch langsamer) Sorte. Es sah mehr so aus, als würde er über den Boden laufen und ab und zu einen seiner mächtigen Arme von hinten aus dem Wasser bis nach vorne quälen, wo dieser entkräftet wieder ins Wasser klatschte. Auf dem Rückweg wäre ich beinahe von einer seiner Pranken getroffen worden, da ich nichts sehen konnte ohne Schwimmbrille. Weil mir bewusst war, dass ich von einem Treffer wahrscheinlich bewusstlos zum Grund sinken würde, entschied ich mich eine Schwimmbrille zu kaufen. Die gab es an der Rezeption. Da ich der Kassiererin anfangs mein letztes Kleingeld für den Eintritt gegeben hatte, hatte ich nur noch einen 50 Pfundschein, den sie nicht wechseln konnte, was ihr sichtlich unangenehm war, da ich tropfend und zitternd vor ihr stand. Ein Kollege sollte schnell Wechselgeld holen. Nach 5 Minuten und mehrmaligen Bestätigen dessen, was ich eh schon wusste (nämlich, dass es scheiße kalt war), bemerkte sie, dass ihr Kollege, der eigentlich das Geld holen sollte, sich seelenruhig mit einem anderen Kollegen unterhielt. Sie machte ihm ein wenig Feuer und nach weiteren 5 Minuten hatte ich auch schon mein Rückgeld. Als ich wieder zurück zum Becken kam, waren meine beiden dicken Kumpels schon weg. Schwimmen macht schließlich müde.  Der Türsteher hatte wohl auch keine Lust mehr, also schwamm ich noch ein paar Bahnen mit meinen asiatischen Freunden im Einklang.

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